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          reviews    

  review: MADE FOR ...  

             
  rbd - Bad Alchemy # 40   Alexander Götzke - equinoxe # 21 ou - testcard # 13  
  moderne-klangkunst.de # 9        
 

Der Kunst des Punktpunktpunkt frönt dann auch ERIKA JÜRGENS bei ihrem made for... (NO EDITION # 63, CDR). Das Duo EM / JR präsentiert die Zusammenfassung obskurer Compilationbeiträge der Jahre 1998 - 2000. Genauer betrachtet sind es die EJ-Werkeverzeichnis-Opera # 42 - 49 und # 62 - 66, Arbeiten, die das ganze Spektrum von Kafka bis Heavy Metal, Passion & Desire bis Halloween, Swing bis House zielgenau bedienten. Diese Platte für Einsteiger zeigt EJ in buntscheckigster Kompetenz auf allen Feldern von Pop & Weirdness, aber in aller chamäleonhaften Camouflage immer unverwechselbar EJ & Co. Das Erik Mälzner - Jürgen Richter-Gespann stellt mit seiner einzigartigen Verquertheit, Tongue-in-cheek-Sophistication und akustischen Abgedrehtheit nichts weniger dar als die einzige aktuelle Version von 'Kraut'. Sie als einzige haben die Ästhetik der Faust-Tapes und den Amon Düül-Dilettantismus, gerade nicht als 1 : 1-Kopie, sondern als kreative Essenz, ins Here & Now teleportiert - und klingen heute krautiger als Faust selbst. Nur Nurse With Wound könnte dabei noch in einem Atemzug genannt werden, oder Strafe Für Rebellion als Art-Krauts, vielleicht auch noch die bei "Es liebt dich und Deine Körperlichkeit, ein Ausgeflippter" vom Genius Hölderlins geküssten WORKSHOP. Aber wo bleibt hier eigentlich der angebliche Humor? Vielleicht in Zeilen wie >So lebte er mit regelmäßigen kleinen Ruhepausen viele Jahre in scheinbarem Glanz, von der Welt geehrt, bei alledem aber meist in trüber Laune, die immer noch trüber wurde dadurch, daß niemand sie ernst zu nehmen verstand. Womit sollte man ihn auch trösten? Was blieb ihm zu wünschen übrig? Und wenn sich einmal ein Gutmütiger fand, der ihn bedauerte und ihm erklären wollte, daß seine Traurigkeit wahrscheinlich von dem Hungern käme, konnte es, besonders bei fortgeschrittener Hungerzeit geschehn, daß der Hungerkünstler mit einem Wutausbruch antwortete und zum Schrecken aller wie ein Tier an den Gittern zu rütteln begann.< So und nicht anders lauten etwa die Lyrics zum zweiten Track von "made for...", der den Titel trägt: 'Zeilen 26 - 36, Seite 167, Fischer Taschenbuch 1078, Sämtliche Erzählungen von Franz Kafka'.

rbd - Bad Alchemy #40 , Germany

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"made for ..." hat diesen Namen, weil alle Stücke die zwischen 1998 und 2000 entstanden sind, eigentlich für andere Tonträger gemacht wurden oder bereits Online zugänglich waren. Sie sind hier erstmals auf einem eigenen Longplayer versammelt und zeugen von der Kreativität der Urheber Erik Mälzner und Jürgen Richter, alias Erika Jürgens. Die Trackliste mit 13 Beiträgen besteht aus vitalen Collagen, deren an den Nerven zerrende Konzeption den Hörer durchaus fordert. Eine scheinbare Ansammlung von "Nonstop Nonsense" mit dem Beigesvchmack der 70er Jahre lässt die Hirnströme heißlaufen und erschafft eine dröge Atmosphäre aus Büromief und Alltagschaos. Eine humorvollere Attacke auf mein Wahrnehmungsvermögen kann ich mir dennoch kaum vorstellen. Fast schon ein bisschen wie Nick Knatterton auf LSD. Toll!

Alexander Götzke - equinoxe #21, Germany
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In den 80ern stellten die sich hinter den hier vorliegenden Platten verbergenden Erik Mälzner und Jürgen Richter ihre Musik auf C60-Tapes zusammen, heute stehen die grau in grau gestalteten CDs gemäß dem Namen ihres Labels diesem optischen Minimalismus in Nichts nach. Den sollte man aber nicht unbedingt als heroische Askese verstanden wissen, andernfalls könnte es passieren, daß die Münsteraner genau so giftig reagieren wie Kafkas mißverstandener Hungerkünstler, dessen Wutausbruch sie in einem Track mit dem Titel „Zeilen 26 – 36, Seite 167, Fischer Taschenbuch 1078, Sämtliche Erzählungen von Franz Kafka“ zu akustisch verzerrten Worte kommen lassen. Denn auch wenn diese Musiker wie der Hungerkünstler und sein Autor die konventionelle „Nahrung“ der sie umgebenden Gesellschaft weder zu sich nehmen noch servieren mögen, ist ihre Musik ähnlich wie Kafkas Literatur trotz ihrer fragmentarischen Momente und scheinbar unauslotbaren Abgründe immer noch von traditionellen Kunstwillen einer gewissen Stimmigkeit geprägt. Der Kafka-Track auf „Made for...“ wird eben passenderweise zähflüssig verzerrt wie das Leben des Hungerkünstlers im Käfig, während Stücke wie „Babette The Cat“ oder „Old Metal Collection“ ihre Referenten trotz aller Abstraktion klar und hörbar machen. Es mag zum Vergleich dienen, daß Kafka einst von Deleuze und Guattari zum Paten der Dekonstruktion gemacht und gerade sein Scheitern an der Vollendung der großen Romane zur subversiven Qualität seines Schaffens umgewertet wurde. Dabei wird trotz der psychobiographischen Argumentation der Franzosen übersehen, daß Kafka selbst das berüchtigte Rhizom im Rahmen formal geschlossener Werke darstellen, den elementaren Zweifel und die Unabschließbarkeit des Kaninchenbaus als Stoff inszenieren und kontrollieren und nicht sich und sein Werk davon überwältigen lassen wollte. Ähnliches ließe sich für Mälzner und Richter sagen. ...

Oliver Uschmann - testcard # 13, Germany
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Die Mülheimer Erik Mälzner und Jürgen Richter alias „Erika Jürgens“ toben sich aus in dieser Sammlung von Samplerbeiträgen von 1998 bis 2000 an Computer, Sample-Instrumenten, E-Gitarre, Wooden Sax, Orgel, Keyboard und Perkussion. Stets munter schräg und durchgeknallt frönen sie dem an die Nieren gehenden Irrsinn aus Disharmonie und jeder Menge Krach und vermögen in ihren besten Momenten, einen gut zu unterhalten und in ihren fürchterlichsten Momenten, einem ungeheuer auf die Nerven zu gehen. Wer die ganze CD ausgehalten hat, wird mit dem vorletzten mit elektronischen Streichern instrumentierten Stück „Without Sunglasses“ belohnt, das trotz weiterer experimenteller Spielerei einen ernsthaften, an Filmmusik erinnernden Charakter aufweist.

moderne-klangkunst.de # 9, Germany

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